Ein Buch für einen Sommer

Unter dem Titel «Bücher für den Sommer» und nicht ohne einen Hauch zarten Spottes („Mittelmass als Masstab“) bespricht Jenny Keller Midcomfort heute im «eMagazin» von swiss-architects Midcomfort. Doch sie darf das  – als ehemalige Diplomandin der Professur Sik ist sie eine alte Bekannte und ihre Lesempfehlung schliesst sie mit: «Ein lesenswertes, lehrreiches und gut geschriebenes Buch, das Architekten lesen sollten und Laien gefallen dürfte.»

Vor allem aber zitiert sie einen Satz, den geschrieben zu haben ich längst vergessen hatte:
«Architektur kann man nicht weglegen wie ein Buch.» S. 17

 

Errata 1. Auflage

S.59, Bildunterschrift Bilder 77 und 78
Die Verweise Bild 28.2 und Bild 28.3 sind zu ersetzen durch Bild 77 bzw. Bild 78

S.84, Bild 138
Das Bild zeigt den Wohnkomplex  «Gullfosshus» in Kopenhagen (1927)

S.104, Bild 188
Das Bild zeigt den Lageplan des Wettbewerbsbeitrag von Walter Gropius für die Siedlung Karlsruhe – Dammerstock (1928).

S.106, zweitletzte Zeile und S.107, dritte Zeile
Die Bildverweise sind zu ersetzen durch: vgl. Abb. 189 – 191, S.105

S.107, dritter Absatz, dritte Zeile
Der Bildverweis ist zu ersetzen durch: vgl. S.77ff

S.108, erster Absatz, letzte Zeile
Der Bildverweis ist zu ersetzen durch: vgl. Abb. 139. S.84

S.109, Bildverweis im 3.Absatz
Der Bildverweis ist zu ersetzen durch: vgl. Abb.194, S.107

 

Vorübergehend vergriffen | Zweite Auflage

Nun also doch – Midcomfort ist erstmal vergriffen. Bei einigen Online-Händlern scheint es noch wenige Exemplare zu geben, bei anderen (wie Amazon) schon nicht mehr. Ähnlich sieht es in den Buchhandlungen aus.

Schön ist aber, dass es eine zweite, überarbeitete Auflage geben wird. Weniger schön leider, dass sie erst Ende Juni lieferbar sein wird.

Schön wiederum: dass die zweite Auflage deutlich weniger Typographie- und Rechtschreibefehler enthalten wird. Danke an alle, die Fehler, Präzisierungen und sonstige Beobachtungen gemeldet haben. Es ist eine, nunja, doch recht hohe Zahl an Änderungen zusammengekommen.  Besonderen Dank an die äusserst präzise mitlesende Grafikerin («falsche Guillemets!», «Hurenkind!», «Waisenkind!») sowie an den medizinal-historisch geschulten Leser, der bemängelte:  «In der klassischen (hochalpinen) Liegekur ist es nicht die Sonne, die gegen Tuberkulose hilft».

Bis Ende dieser Woche können hier noch allfällige Fehler oder Präzisierungen eingetragen werden.

Nachtrag 06.06.1014: Das PDF für die zweite Auflage ist abgegeben. Danke an alle, die sich an der Fehlersuche beteiligt haben.

Bildschirmphoto-2014-05-12_604Man wundert sich zuweilen, was im Maschinenraum von Amazon so passiert: «Dieser Artikel ist noch nicht erschienen.» Nachdem der Artikel nun ein halbes Jahr lang verkauft wurde. Den noch nicht erschienene Artikel kann man aber immerhin gebraucht kaufen – auch bei Amazon.

Von Steinen lernen heisst siegen lernen: Holm Friebes „Stein-Strategie“


Hier sieht man, wie Holm Friebe in die Küche geht. Und ein Buch auf seinem Sideboard.

Schon im August 2013 erschien das Buch «Die Stein-Strategie. Von der Kunst, nicht zu handeln» des Berliner Publizisten und Dozenten für Designtheorie, Holm Friebe – ein kurzweiliger Text über den Wert des bedächtigen Handelns und des Abwartens, ein Pamphlet gegen Aktionismus und blinden Fortschrittsglauben. Innovation allein, so Friebe, stelle noch keinen Wert dar – obwohl genau das heute oft geglaubt werde. Seine Strategie mündet in die Handlungsanweisung: «Don’t be innovative. Be awesome.» Was, um einen ersten Bogen zur Architektur zu schlagen, an ein Mies van der Rohe zugeschriebenes Diktum erinnert: «Ich möchte nicht interessant sein. Ich möchte gut sein.»

Friebe erklärt und verifiziert seine Strategie anhand einer Vielzahl von Beispielen aus verschiedenen Bereichen – von der Wirtschaft über die Politik bis hin zum Fussball. Aber eben auch im Zusammenhang mit Architektur und Design. Etwa mit dem Verweis auf Lucius Burckhardts Schriften aus den 1970er Jahren oder auf die Kreuzberger Häuserbesetzer der gleichen Zeit, die damals als fortschrittsfeindlich galten, weil sie sich gegen den Abbruch ganzer Häuserzeilen zugunsten einer neuen Stadtautobahn wehrten – so wurden Quartiere erhalten, die heute zu den begehrtesten Wohnlagen der Stadt gehören. Und besonders freut uns natürlich, dass Friebe im Kapitel Graue Energie auch kurz auf Midcomfort eingeht (S.171.ff).

Besonders interessant ist die Stein-Strategie im Zusammenhang mit Midcomfort aber dort, wo Friebe innerhalb seiner Strategieentwicklung, jedoch jenseits architektonischer Überlegungen zu Schlüssen kommt, wie sie auch in Midcomfort formuliert werden. Etwa, wenn er feststellt, dass behutsame Veränderungen und langsames Fortschreiten dazu beitragen können, Fehler so früh zu erkennen, dass sie noch keine verheerenden Schäden anrichten konnten:

Zwar wird der bedächtig Abwartende niemals Lob und Lorbeeren für seine heroische Kühnheit ernten. Er wird häufig nicht das maximale Resultat erzielen. Aber er wird katastrophale Fehlentscheidungen vermeiden, nicht mit fliegenden Fahnen in sein Verderben rennen und im Zweifel länger am Leben bleiben. (Stein-Strategie, S.12) 

Auf die Architektur übertragen: Durch die bedächtige Entwicklung können Fehler erkannt und vermieden werden, bevor sie zu viel Schaden angerichtet und sich auf breiter Front durchgesetzt haben. In der Folge erhöht sich zwar nicht die Qualität von architektonischen Meisterleistungen, aber das Niveau des Durchschnitts. (Midcomfort, S. 42)

Man kann Midcomfort also, zumindest teilweise, als Stein-Strategie der Architektur verstehen oder, wenn man so will, die Stein-Strategie als Midcomfort für den grossen Rest des Lebens. Und weil es ganz offensichtlich schwierig ist, einen Beitrag über die Steinstrategie anders zu illustrieren als mit Steinen, verwenden wir hier zwei Bilder aus der Privatwohnung des Stein-Strategen, die kürzlich im Interview-Magazin Freunde von Freunden erschienen sind und die uns verständlicherweise besonders gefallen haben. 

(Für ausführlichere Besprechungen der Stein-Strategie sei auf die diversen journalistischen Beiträge zum Buch verwiesen, die hier gesammelt sind.)

Holm Friebe: „Die Stein-Strategie. Von der Kunst, nicht zu handeln“. Hanser; 216 Seiten; 14,90 Euro.


Disclosure: Ich wurde darauf hingewiesen, dass es unredlich wäre, nicht zu erwähnen, dass ich mit Holm Friebe befreundet bin. Ich bin also mit Holm Friebe befreundet, habe aber mit der Position des Buches auf seinem Sideboard nichts zu tun.